Schnell gute Ideen finden: Kreativitätstechniken für Redakteure und Moderatoren

Die Hörer immer wieder überraschen. Den anderen Dreh zum Thema finden. Musiktitel kreativ anmoderieren. Radio-Redaktionen haben einen hohen Ideen-Verbrauch. Die folgenden Kreativtechniken sorgen für genügend Ideen-Nachschub.

Besonders interessant für Einzelkämpfer: Die Reizwortanalyse. Mit dieser Technik, kann man sich selbst inspirieren, Schreibblockaden lösen oder schnell, in nur ein paar Minuten einen Einstieg für einen Text oder eine Moderation finden.

Der kreative Prozess

Die bekannteste Methode zur Themenfindung, das Brainstorming, beherrschen alle Redaktionen. Häufig falsch angewandt, liefert sie allerdings nicht die Ideenvielfalt, die man sich erhofft.

Der größte Hemmschuh bei allen Methoden, sind Kollegen, die mit ihren Kommentaren Ideen schon im Keim ersticken. Oder: Der autoritäre Chef, der durch seine bloße Anwesenheit ungewöhnliche Vorschläge verhindert.

Der kreative Prozess sollte deshalb immer in vier Phasen aufgeteilt werden:

1. Aufgabenstellung

Effektives Ideen sammeln funktioniert nur, wenn für das ganze Team jederzeit klar ist, was genau gesucht wird. Die Aufgabenstellung am besten als Frage formulieren und für alle gut sichtbar aufhängen oder mit dem Beamer an die Wand werfen.

2. Ideen finden

In dieser Phase auf keinen Fall bewerten. Das ist für extrovertierte Menschen wie Journalisten und Moderatoren sicher die schwerste Aufgabe. Jedes "hatten wir schon" oder "das lässt sich doch gar nicht umsetzen" müssen sich die Teilnehmer verkneifen. 

Alle Ideen werden auf einen großen Bogen Papier geschrieben oder in den Laptop getippt und an die Wand projiziert. Es bringt nichts, wenn der Chef vom Dienst alles in seine Kladde notiert. Die bereits genannten Ideen sollen schließlich alle anderen inspirieren.

3. Priorisieren

Sind genügend Ideen da, kann man ans Auswählen gehen. Jetzt können die Nörgler ihren Senf dazugeben.

4. Umsetzen

Die Ideen, die für das gesteckte Ziel am besten sind, werden realisiert.

Brainstorming

Dauer: 15-20 Minuten, Teilnehmer: 2-12

Brainstorming kennen wir, machen wir. Ja, aber meist falsch.

Der Ablauf ist einfach: Zwei oder mehr Kollegen rufen Ideen zu einem gewählten Thema in den Raum. Einer schreibt für alle sichtbar die Einwürfe auf. Alle lassen sich von den Ideen der anderen inspirieren.

Ein paar Tricks machen die bekannteste Kreativitätstechnik noch effektiver:

  • Zusammensetzung der Gruppe: Möglichst Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenholen. Warum soll nicht mal ein Techniker oder Kollege aus dem Marketing an der Kreativ-Sitzung teilnehmen? So entstehen neue Impulse.

  • Durchhalten: Zu beginn des Brainstormings kommen meist die Standard-Ideen. Nach einer Weile tröpfelt es nur noch. Viele brechen hier schon ab, weil es mühselig wird oder es den Anschein hat, dass keine Ideen mehr kommen. Jetzt durchhalten. Die Neubildungsphase beginnt. Das Team hat jetzt die Ruhe sich alle bisherigen Ideen genau anzusehen und Neues zu entwickeln.

Irgendwann ist aber auch das Brainstorming am Ende. Wir haben das Experiment gemacht und in aufeinander folgenden Jahren mit einer ähnlichen Gruppe Ideen zum Thema "Weihnachten" gesammelt. Die aktuelle Ideen-Liste war mit der aus dem Vorjahr zu 90 Prozent identisch. Was nun? Einfach die nächste Kreativitätstechnik anwenden. Es gibt ja genug.

Brainwriting

Dauer: 20-30 Minuten, Teilnehmer: 4-8

Endlich kommen auch die Stillen zum Zuge. Beim Brainwriting wird die Idee von der Person getrennt. Im Team sieht man nicht sofort, von wem welcher Vorschlag kommt. So können die Vorlauten und Autoritären, die Schüchternen nicht ausbremsen.

Weitere Vorteile gegenüber dem Brainstorming: Eine Beurteilung ist während der Ideenfindung nicht möglich. Jeder kann ohne Wartezeit sofort seine Ideen aufschreiben. Inspiration und Konzentration sind größer.

So geht's:

  • Jeder in der Gruppe erhält ein Blatt das in einzelne Quadrate unterteilt ist.
  • Die Teilnehmer schreiben ins erste Quadrat ihre Idee zum Thema.
  • Das Blatt wird im Uhrzeigersinn an den Nachbarn weitergegeben. Der kann sich jetzt von den aufgeschriebenen Ideen inspirieren lassen und seine nächste Idee ins nächste Quadrat schreiben.

Sobald alle Quadrate beschrieben sind, ist die Ideenfindung zu Ende und die besten Ideen können ausgewählt werden.

6-3-5 Methode

Dauer: 30 Minuten, Teilnehmer: 6

Die 635 Methode ist dem Brainwriting ähnlich. Die Regeln sind etwas stärker formuliert: Sechs Teilnehmer schreiben immer drei Ideen auf und reichen fünf-mal weiter. 6-3-5.

Das Blatt ist in drei Spalten und sechs Zeilen unterteilt und enthält so 18 Felder. Jeder Teilnehmer füllt gleich eine ganze Zeile mit drei Ideen aus und gibt dann an den Nachbarn weiter. Für jede Zeile stehen drei bis fünf Minuten zur Verfügung.

Die Methode ist sehr effektiv. In einer halben Stunde entstehen 108 Ideen.

Reizwortanalyse

Dauer: 5 - 15 Minuten, Teilnehmer: 1-10

Das Besondere an der Reizwortanalyse: Man kann damit auch alleine Ideen sammeln. Etwa für eine Anmoderation oder den Einstieg in einen Text. Weil man auf keinerlei Material oder Kollegen angewiesen ist, funktioniert diese Kreativitätstechnik auch gut unterwegs, zum Beispiel bei einer Zugfahrt. Natürlich ist es auch eine der Methoden mit der Teams weiter kommen und sehr überraschende Ergebnisse produzieren können.

Die Inspiration rührt hierbei nicht von den Ideen anderer her. Stattdessen untersucht man die Eigenschaften eines Hauptwortes und wendet diese dann auf das eigentliche Problem an.

So geht's:

  • Ein zufälliges Wort aus dem Lexikon oder einer Reizwortliste auswählen.
  • Die Eigenschaften dieses Begriffes analysieren und aufschreiben. Etwa: Welche Funktion, Handhabung, Aussehen besitzt das Reizwort?
  • Diese Eigenschaften jetzt auf das kreative Problem anwenden.

Beispiel:

Aufgabe: Welche Themen oder Aktionen bieten sich an, wenn es im Frühjahr das erste Eis gibt?

Zufälliges Reizwort: MUSEUM

Analyse der Eigenschaften: still, alt, gediegen, künstlerisch, wertvoll, groß, hohe Räume, sauber...

Die Eigenschaften inspirieren zu Themen-Ideen:

  • Tipps, wie man Eis kunstvoll und verführerisch anrichten kann.
  • Liste der teuersten Eissorten der Welt.
  • Wettbewerb: Wer kann in einer Waffel die meisten Eiskugeln stapeln?
  • ...

Waren noch nicht die richtigen Ideen dabei, versucht man es mit dem nächsten Reizwort.

von Roger Hofmann

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